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Die Heimkehr

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Die Heimkehr


XXVIII


Der bleiche, herbstliche Halbmond
Lugt aus den Wolken heraus;
Ganz einsam liegt auf dem Kirchhof
Das stille Pfarrerhaus.

Die Mutter liest in der Bibel,
Der Sohn, der starret ins Licht,
Schlaftrunken dehnt sich die ältre,
Die jüngere Tochter spricht:

Ach Gott, wie einem die Tage
Langweilig hier vergehn!
Nur wenn sie einen begraben,
Bekommen wir etwas zu sehn.

Die Mutter spricht zwischen dem Lesen:
Du irrst, es starben nur Vier,
Seit man deinen Vater begraben
Dort an der Kirchhofstür.

Die ältre Tochter gähnet:
Ich will nicht verhungern bei euch,
Ich gehe morgen zum Grafen,
Und der ist verliebt und reich.

Der Sohn bricht aus in Lachen:
Drei Jäger zechen im Stern,
Die machen Gold und lehren
Mir das Geheimnis gern.

Die Mutter wirft ihm die Bibel
Ins magre Gesicht hinein:
So willst du, Gottverfluchter,
Ein Straßenräuber sein!

Sie hören pochen ans Fenster,
Und sehn eine winkende Hand;
Der tote Vater steht draußen
Im schwarzen Predgergewand.

  
Sämtliche Schriften: Gesamtausgabe in 6 Bänden (7 Teilbände) im Schmuckschuber (Taschenbuch)
von Heinrich Heine,
Klaus Briegleb
Siehe auch:
Der Fall Heine
Heinrich Heine Lyrik und Jazz
Deutschland. Ein Wintermärchen
Heinrich Heine. Literaturwissen für Schule und...
Heine-Handbuch: Zeit - Person - Werk
Sämtliche Gedichte in zeitlicher Folge
 
   
 
     
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