"Gedrucktes Narrenhaus"
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(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)    Rezension bezieht sich auf: Das Buch der Lieder (Gebundene Ausgabe) Im Schwabenspiegel bezeichnet Heinrich Heine das "Buch der Lieder" als gedrucktes Narrenhaus, "worin meine verrückten Gedanken eingesperrt sind". Wahrhaft düstere Gedanken und dunkle Träume kreisen um die Themen Tod, Teufel, Friedhof, Grab, Kobolde und Gerippe. Jedoch gelingt es ihm auch immer wieder, diese dunklen Schatten zu vertreiben und uns mit zarten Liebesliedern und blumenreichen Naturbeschreibungen, die den Wonnemonat Mai besingen, zu verzaubern.

Im Stile der griechischen Poeten ruft Heine im Vorwort die Götter an: "Lasst mich ein Greis werden, der die Jugend liebt und trotz der Altersschwäche noch immer teilnimmt an ihren Spielen und Gefahren!"

Heine Volkslieder zählen zum schönsten Liedgut der Deutschen. "Ich weiß nicht was soll es bedeuten... ", mit diesen Worten beginnt das Lied über die schöne Jungfrau Loreley, durch deren Gesang Schiffer samt Kahn in den Wellen versinkt. Wessen Gedanken wandern bei diesen Strophen nicht zu Homers Helden, der, an den Mast gekettet, dem unwiderstehlichen Gesang der Sirenen lauscht.

In einem anderen Lied vergleicht Heine den Rhein mit einer schönen Frau. Das Spiel der goldenen Wellen ähnelt dem freundlichen Nicken der Liebsten, doch das Innere birgt Tod und Nacht.

Noch einfühlsamer ist das "Liedchen von der Reue". Junker Ulrich reitet durch den Wald und singt ein Lied über die Verlockungen des Weibes. Auch hier treffen wir auf die Ambivalenz, die so oft Heines Lieder begleiten. Er bezeichnet die Lippen als Röslein, durch die jedoch auch tückische Worte, gleich giftigen Schlangen zischen können. Die blauen Augen können sowohl das Tor zum Himmel als auch die Pforte zur Hölle sein.

Nachdenklich stimmt Heines zeitlose Ermahnung, nicht durch das Leben zu hasten:
"Eine große Landstraß ist unsre Erd',
wir Menschen sind Passagiere;
Man rennet und jaget zu Fuß und zu Pferd,
wie Läufer oder Kuriere."

Der Mond wird von Heine als "bleicher Gesell" tituliert, der den von Liebesleid Geplagten verhöhnt. An anderer Stelle verheiratet er die Mondgöttin Luna mit dem Sonnengott Sol. Tags über strahlt Sol voll Herrlichkeit, aber den Nachts wandelt Luna mit den "verwaisten Sternenkindern" über den Himmel und glänzt in "stiller Wehmut".

In dem Lied "Untergang der Sonne" ist die Sonne die Braut des alten Meergottes: "Des Tages über wandle sie freudig am hohem Himmel, purpurgeputzt ... Aber des Abends, trostlos gezwungen, kehre sie wieder zurück in das nasse Haus, in die öden Arme des greisen Gemahls". Wen wundert's, dass es im Hause eines solch ungleichen Paares zu Streitereien kommt, die wir Menschen als Sturm erleben.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 17. Oktober 2008
Kundenrezensionen:
3. DER Dichter der Liebeslyrik - Ein MUSS für alle Liebenden!
2. "Gedrucktes Narrenhaus" (die aktuell angezeigte Rezension)
1. Den Kuss, den ich Dir abgeküsst! Den habe ich, und daran glaube ich( Heine)
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