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Eine Zeitmaschine
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Rezension bezieht sich auf: Das Beste von Manfred Krug - 1962-1977 (Audio CD) Wie kommt ein 28jähriger um Himmels Willen dazu, sich Krug-Platten zu kaufen?! Ich gebe zu, wenn er völlig unbeleckt wäre, wohl nur äußerst zufällig beim Fehlkauf. Bei mir stehen die Dinge aber etwas anders, ich bin geborener Ostberliner, schulgebildet im Bezirk Potsdam und damit schon mal, was Bückware angeht, nicht ganz ohne Instinkt. Und das waren alle Krug-Platten bis dato, klar. Republikflüchtige werden nicht vermarktet. Aber: Mein Großvater, Kameramann der DEFA, kannte ihn; meine Musiklehrerin liebte seine Musik. Ich höre sie noch heute schwärmen: "drei Oktaven kann der Mann singen!" (Haus in New Orleans) Da war es für mich ein Probekauf, als ich jene Scheibe im Regal stehen sah - inzwischen habe ich alle neu erschienenen. Zur Platte: Schon das Cover gibt mir Gelegenheit, die Botschaft darin zu erkennen, die ich erkennen will. Ein etwas verblaßter, stürmisch-unzufiedener Früh-Krug in schwarzweiß hinter einem vordergründigen alten, aber fidelen Zigarren-Krug der Neuzeit. Das sagt mir: Man lebt noch. Egal, was damals war und wie es war. Allerdings, wie es sich damals angehört hat, kann man sich ruhig nochmal vergegenwärtigen. Denn nicht anders als heute junge Formationen, wie ECHT, SPORTFREUNDE STILLER, TOCOTRONIC oder DIE STERNE, machte Krug seinerzeit in der DDR zeitgemäße deutschsprachige Musik. Klar, mit anderen Mitteln, Krug bediente sich seinerzeit (in Ermangelung funktionierender Mikroelektronik) seiner Stimmbänder und handgespielter Instrumente, die Arrangements waren noch handgemacht. Das macht jeden Titel hörenswert und nach meiner Einschätzung sollte diese Scheibe bei jedem herkunftsbewußten Neufünfländer stehen. Damit nicht genug: Musik ist keine Sache des alters oder der Geographie, sondern des Geschmacks. Bei mir stehen die Krug-Scheiben zwischen Jürgens und Lage. Geld haben sie alle gekostet - weil sie es wert sind.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 7. September 2001 |